Europa soll nach Selenskyjs Ansicht direkt am Tisch sitzen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach einem Gespräch mit EU-Ratspräsident António Costa erklärt, dass die Europäische Union in möglichen Verhandlungen mit Russland vertreten sein müsse. Aus seiner Sicht braucht Europa in einem solchen Prozess eine eigene starke Stimme und eine klar benannte Vertretung.
Wir sehen gleichermassen, dass Europa in den Verhandlungen dabei sein muss. Es ist wichtig, dass es in diesem Prozess eine starke Stimme und Präsenz hat, und es sollte festgelegt werden, wer Europa konkret vertreten wird.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine
Costa hatte die Frage eines EU-Verhandlungsführers bereits zuvor öffentlich aufgeworfen. Demnach könnte eine Person benannt werden, die mit dem Kreml über ein mögliches Ende des Krieges in der Ukraine spricht.
Diskussion über mögliche Namen
In der Debatte werden laut einem Bericht der Deutschen Welle verschiedene Namen genannt. Kremlchef Wladimir Putin brachte demnach den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Spiel. In Brüssel wird diese Personalie jedoch zurückgewiesen.
Als mögliche Alternative nennen deutsche Experten die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Politologe Andreas Umland sagte der Deutschen Welle, Merkel könne eine ernstzunehmende Figur sein, falls Moskau ihre Kandidatur akzeptieren würde.
Das wäre eine gute Wahl. Gegen Merkel gibt es natürlich ebenfalls Vorbehalte, sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine, aber sie ist eine Politikerin von einem ganz anderen Kaliber.
Andreas Umland · Politologe, zitiert von Deutsche Welle
Gleichzeitig bleibt Merkels Rolle umstritten. Die Deutsche Welle verweist darauf, dass ihre Haltung unter Ukraine-Unterstützern ambivalent gesehen wird, auch weil sie die unter ihrer Mitwirkung geschlossenen Minsker Vereinbarungen nicht grundsätzlich infrage stellt.
Belastete Vorgeschichte mit Merkel
Selenskyj hatte Merkel bereits früher kritisiert und sie aufgefordert, Kiew und Butscha zu besuchen. Seit Beginn der russischen Vollinvasion war die frühere Kanzlerin nicht in der Ukraine.
Bei einer jüngsten Deutschlandreise zur Vorstellung ihrer Autobiografie bekräftigte Merkel erneut, dass mit Russland gesprochen werden müsse. Zugleich verteidigte sie ihre Initiative für ein Gipfeltreffen mit Putin im Sommer 2021, die damals in der EU keine Unterstützung fand.
Nach Einschätzung der Deutschen Welle hat Schröder als möglicher EU-Vertreter in Gesprächen mit Moskau derzeit keine realistischen Chancen.




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