Editorial · Mai 2026

Wer hinter UkraineDirekt steht.

Ein Projekt aus der Schweiz, getragen von einem ukrainischen Schutzsuchenden mit schwerer Behinderung - geboren aus Dankbarkeit, nicht aus Selbstmitleid.

Ivan Slavinskyi, Gründer von UkraineDirekt
Ivan SlavinskyiAuf der Aussenrunde - Aadorf, Frühling 2025

In eigener Sache · ein Brief

Warum es UkraineDirekt überhaupt gibt.

Ich heisse Ivan Slavinskyi. Ich bin ukrainischer Schutzsuchender und lebe seit drei Jahren in der Schweiz - und dieser Text ist mein Versuch zu erklären, warum ich diese Plattform gebaut habe, statt zu warten, bis jemand anderes es tut.

Drei Jahre lang habe ich versucht, mich zu integrieren, zu lernen und meinen Platz in einer neuen Wirklichkeit zu finden. Wegen einer schweren Behinderung war die Stellensuche für mich nicht einfach schwierig - sie war ein Hindernislauf mit lauter Unbekannten.

Aber im Wartemodus zu bleiben, war für mich keine Option. Statt auf einen glücklichen Zufall zu hoffen, habe ich beschlossen, das zu tun, was ich tun kann: ein Projekt aufzubauen, das nützlich, ehrlich und inhaltlich tragfähig ist.

UkraineDirekt ist mein Versuch, der Schweiz mit dem zu dienen, was ich mitbringe - Arbeit mit Information und Texten, digitale Werkzeuge, ukrainischer Kontext und der vernünftige Einsatz moderner Technologie.

Dieses Projekt ist aus Dankbarkeit entstanden, aus Motivation und aus dem Wunsch, einer Gesellschaft etwas zurückzugeben, die meiner Familie Sicherheit gegeben und ein Weiterleben ermöglicht hat.

Ich weiss nicht, wie gross UkraineDirekt einmal sein wird. Aber wenn es auch nur einer Schweizerin oder einem Schweizer hilft, die Ukraine, die Ukrainerinnen und Ukrainer und das, was rund um diesen Krieg geschieht, ein Stück besser zu verstehen - dann hat diese Arbeit ihren Sinn schon erfüllt.

Ivan SlavinskyiGründer & Redakteur · UkraineDirekt

Wem wir danken.

Eine Liste ist immer unvollständig. Diese hier nennt jene, ohne die unsere Familie nicht hier wäre - und ohne die UkraineDirekt nicht entstanden wäre. Sechs Stationen, ein gemeinsamer roter Faden: Menschlichkeit.

06Danksagungen
Olaf und Gabriela Meyer

Olaf und Gabriela Meyer - die ersten Gesichter eines neuen Lebens.

01

Familie Meyer · Onboarding

Olaf und Gabriela Meyer.

Wir werden nie vergessen, welche Rolle die Familie Meyer in unserem Onboarding in der Schweiz gespielt hat. In den ersten Monaten der Anpassung zählen nicht nur formelle Verfahren - es zählt das Gefühl, dass da Menschen sind, denen es nicht gleichgültig ist.

Ihre Anteilnahme, ihre Freundlichkeit, ihre Bereitschaft zu erklären, zu zeigen und zu stützen waren für uns ein gewaltiger Halt. Für eine Flüchtlingsfamilie heisst das viel mehr, als es von aussen aussieht.

Ein besonderer Dank gilt Olaf für das dreirädrige Velo - es hat mein Leben grundlegend verändert.
02

Stiftung · Integration

Peregrina Stiftung.

Die Peregrina Stiftung hat in unserer Integration eine wichtige Rolle gespielt. Es war keine bloss formelle Hilfe - es war ein Raum, in dem Respekt, Geduld und eine wirklich freundliche Atmosphäre spürbar waren.

Besonders wichtig waren für uns die Begleitung im Anpassungsprozess, die Sprachkurse und jene menschliche Normalität, die man kaum überschätzen kann, wenn das Familienleben sich abrupt verändert.

Wir danken der Peregrina Stiftung für ihre Hilfe, ihre Geduld - und dafür, dass Integration für uns nicht nur eine Pflicht war, sondern ein lebendiger menschlicher Prozess.

03

Sprachschule · Romanshorn

Sprachschule HDS in Romanshorn.

Ein eigener Dank gilt der Sprachschule HDS - Haus der Sprachen - in Romanshorn. Deutsch zu lernen war für mich nicht bloss eine Lernaufgabe, sondern Teil eines Kampfes um Selbstständigkeit, Würde und die Möglichkeit, im neuen Land nützlich zu sein.

Wenn ein Mensch ernsthafte gesundheitliche Einschränkungen hat, fällt jeder Schritt schwerer. Umso mehr bedeutete mir die Geduld der Lehrpersonen, der respektvolle Umgang und die Bereitschaft, einem entgegenzukommen.

Ich danke der Schule für das Wissen, die Unterstützung und für eine Atmosphäre, in der man vorwärtskommen konnte - auch wenn der Weg nicht einfach war.

04

Gemeinde · Sozialdienst

Gemeinde Aadorf.

Wir danken der Gemeinde Aadorf von Herzen für ihre Unterstützung in einer der schwierigsten Phasen unseres Lebens. In der Praxis besteht die Integration einer Flüchtlingsfamilie aus vielen sehr konkreten Dingen: Wohnen, Dokumente, Alltagsfragen, Koordination der Hilfe, das menschliche Erklären von Regeln und Verfahren.

Besonders wichtig war für uns die Arbeit des Sozialdienstes und jener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unsere Familie mit Aufmerksamkeit, Korrektheit und Geduld begleitet haben. Eine solche Haltung löst nicht nur Probleme - sie gibt einem das Gefühl von Stabilität und Selbstachtung zurück.

Wir danken der Gemeinde Aadorf für ihre Unterstützung - und den Mitarbeitenden des Sozialdienstes für ihre Professionalität und ihre menschliche Anteilnahme.

Spital Thurgau MünsterlingenMünsterlingen
Kantonsspital WinterthurWinterthur
05

Medizin · Gerettetes Leben

Medizin und ein gerettetes Leben.

Ein besonderer Dank gilt den medizinischen Einrichtungen und den Ärztinnen und Ärzten, die unserer Familie in kritischen Momenten geholfen haben. Für uns ist das keine abstrakte Dankbarkeit: Es geht buchstäblich um das gerettete Leben meines Vaters.

Ich bin dem Kantonsspital Münsterlingen, den Ärzten in Arbon und dem Kantonsspital Winterthur zutiefst dankbar - für Professionalität, Aufmerksamkeit und ein menschliches Gegenüber. In Situationen, in denen eine Familie mit Angst, Krankheit und Ungewissheit konfrontiert ist, werden genau solche Menschen zur eigentlichen Stütze.

Orte, an denen unserer Familie in einer der schwersten Zeiten geholfen wurde. Wir werden das nie vergessen.
06

Danke, Schweiz.

Ich danke aufrichtig allen Schweizerinnen und Schweizern, die unserer Familie geholfen haben - mit Wort, Tat, Aufmerksamkeit, Professionalität und Anteilnahme.

Und ich danke ausdrücklich den eidgenössischen Behörden für den Schutz und für die Möglichkeit, in Sicherheit zu leben.

Ivan SlavinskyiMai 2026