Worum es geht
Der frühere Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Andrij Jermak, sitzt wegen Geldwäsche-Verdachts in Untersuchungshaft. Das Hohe Antikorruptionsgericht setzte die Kaution auf 140 Millionen Hrywnja fest, was rund 2,8 Millionen Franken entspricht. Jermak bestreitet die Vorwürfe. Nach Angaben seines Anwalts kann er die Summe nicht selbst aufbringen; deshalb werde in seinem Umfeld Geld gesucht.
Bis Freitagabend waren nach Angaben des Abgeordneten Jaroslaw Schelesnjak 100 Millionen Hrywnja eingegangen, also rund 2 Millionen Franken. Weil die volle Summe zunächst nicht erreicht wurde, blieb Jermak über das Wochenende in Haft.
Wer bisher eingezahlt hat
Mehrere Teilzahlungen machten den Fall zusätzlich sichtbar. Ukrainische Medien berichteten zunächst über 14,5 Millionen Hrywnja aus dem Kreis von Privatpersonen. Später kamen laut Medienberichten weitere 30 Millionen Hrywnja von Serhij Rebrow hinzu, dem früheren Nationaltrainer und langjährigen Bekannten Jermaks. Danach wurden weitere 9,8 Millionen Hrywnja einer Firma namens Miralif zugeschrieben.
Die Beträge sind erheblich: 30 Millionen Hrywnja entsprechen rund 610'000 Franken, 9,8 Millionen Hrywnja rund 200'000 Franken. Für sich genommen ist eine Kautionszahlung legal und kein Schuldeingeständnis. Sie ermöglicht einer beschuldigten Person, unter Auflagen bis zum weiteren Verfahren auf freiem Fuss zu bleiben.
Banken und Finanzmonitoring
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch Aussagen von Jermaks Anwalt Ihor Fomin. Er sagte, Banken würden sich weigern, Gelder für die Kaution anzunehmen. Als Grund nannte er den Druck auf Einzahlende sowie Risiken im Finanzmonitoring.
Das hat sich in eine Show verwandelt. Auf Menschen, die eine Kaution einzahlen, wird Druck ausgeübt, ihre Namen und Fotos werden veröffentlicht. Dann kommt das Finanzmonitoring. Banken weigern sich bereits, diese Operationen durchzuführen. Hört auf.
Ihor Fomin · Anwalt von Andrij Jermak
Im Hintergrund steht laut Bankern ein Schreiben der Nationalbank vom Januar 2026 zu Kautionszahlungen in einem anderen politischen Fall. Demnach sollten Banken Risiken besonders streng prüfen. In der Praxis habe das viele Institute dazu veranlasst, Zahlungen in politisch sensiblen Verfahren lieber ganz zu blockieren.
Warum der Fall politisch so heikel ist
Juristisch ist das Verfahren offen. Die Unschuldsvermutung gilt. Politisch entfaltet der Fall aber schon jetzt Wirkung. Wenn für einen früheren Spitzenvertreter des Staates Millionen für eine Kaution gesammelt werden, trifft das auf eine europäische Öffentlichkeit, die die Ukraine seit Jahren finanziell, humanitär und politisch unterstützt.
Gerade in westlichen Ländern hängt die Unterstützung für die Ukraine stark vom Vertrauen in staatliche Institutionen ab. Entscheidend ist deshalb nicht nur der konkrete Vorwurf gegen Jermak, sondern auch die Frage, ob Antikorruptionsbehörden und Gerichte unabhängig arbeiten können – selbst dann, wenn es um Personen aus dem innersten Machtzentrum geht.



