Aussagen nach Besuch in der Ukraine
Der Chef des US-Technologieunternehmens Palantir, Alex Karp, hat nach einem Besuch in der Ukraine erklärt, die ukrainischen Streitkräfte nutzten die Systeme seiner Firma als eine Art Betriebssystem für den Krieg. Darüber berichtete Die Welt.
Das kann man sich ungefähr wie ein Betriebssystem für den Krieg vorstellen.
Alex Karp · CEO von Palantir
Karp erläuterte, die Ukraine steuere das Gefechtsfeld ähnlich, wie ein Technologieunternehmen seine Kundschaft betreue. Nur die Fragen seien andere: wie viele russische Soldaten pro Quadratkilometer getötet würden, warum das geschehe, welche Mittel eingesetzt worden seien und was funktioniert habe oder nicht. Dies reiche bis auf die Ebene einzelner Einheiten.
Palantir sieht die Ukraine als hochentwickeltes Verteidigungssystem
Nach seinem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte Karp zudem, die Ukraine habe eines der wichtigsten militärischen Verteidigungssysteme der Welt aufgebaut. Die Gesprächspartner vor Ort seien überzeugt gewesen, dass die Ukraine den Krieg gewinnen werde, und hätten sich sehr optimistisch gezeigt.
Ukraine hat eines der wichtigsten militärischen Verteidigungssysteme der Welt geschaffen. Jeder Mensch, mit dem wir gesprochen haben, ist sicher, dass sie diesen Krieg gewinnen werden. Sie sind sehr optimistisch.
Alex Karp · CEO von Palantir
Zugleich versicherte Karp, Palantir habe keinen Zugriff auf ukrainische Daten.
Zusammenarbeit seit 2022 und Debatten über Einfluss
Alex Karp reiste erstmals im Juni 2022 in die Ukraine, einen Monat nach der Eröffnung der ukrainischen Vertretung von Palantir. Seither ist das Unternehmen in mehreren Bereichen mit ukrainischen Stellen im Gespräch oder in Projekten eingebunden.
Im Ausgangsmaterial wird die Einbindung amerikanischer Strukturen in das ukrainische Verteidigungsministerium als konfliktreich beschrieben. Demnach gab es 2022 eine offene öffentliche Auseinandersetzung darüber, wer die Zielauswahl für amerikanische Waffen bestimmen sollte, insbesondere für Himars.
Palantir-Vertreter erklärten laut einem Bericht von Forbes Ukraine aus dem Jahr 2023, die Ukraine habe für das Unternehmen keine kommerzielle Bedeutung; die Produkte würden kostenlos bereitgestellt. Gleichzeitig wurde die Ukraine demnach faktisch auch zu einem Testfeld für diese Technologien.
Zu den genannten Anwendungen gehörten die Auswertung von Satelliteninformationen, die Zielerkennung, die Erstellung einer Karte des Gefechtsfelds sowie KI-gestützte Werkzeuge zur Dokumentation von Kriegsverbrechen in der Ukraine.
Blick auf die Zeit nach dem Krieg
Nach den vorliegenden Angaben will Palantir auch nach dem Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine tätig bleiben, falls dafür Bedarf besteht. Genannt werden mögliche Beiträge zur Aufarbeitung von Kriegsverbrechen sowie eine spätere Arbeit im zivilen Sektor als reguläres Unternehmen.
Ausserdem stellte die Unternehmensführung in Aussicht, ukrainische Waffenentwicklungen auf den Weltmarkt zu bringen. Im Ausgangsmaterial wird dieser Ausbau der Zusammenarbeit in einen politischen Kontext gestellt: Wenige Tage nach dem Forbes-Bericht aus dem Jahr 2023 stieg der damalige Digitalminister Mychajlo Fedorow auf. Heute ist er Verteidigungsminister.



