Worum es geht

Die ukrainische Finanzaufsicht will grosse Bartransaktionen und teure Anschaffungen von Privatpersonen genauer prüfen. Nach Angaben des Leiters des Staatlichen Finanzmonitorings, Filip Pronin, steht dabei besonders im Fokus, wenn dieselbe Einkommensbescheinigung mehrfach bei verschiedenen Banken vorgelegt wird.

Gemeint sind Fälle, in denen eine Person etwa einen offiziellen Einkommensnachweis über 300'000 Hrywnja vorlegt, aber Zahlungen in deutlich höherem Umfang abwickeln will, zum Beispiel 1,5 Millionen Hrywnja. Dann werden Konten bei mehreren Banken eröffnet, und mit demselben Dokument werden aufgeteilte Zahlungen vorgenommen. 300'000 Hrywnja entsprechen derzeit rund 6'500 Franken, 1,5 Millionen Hrywnja rund 32'000 Franken.

Wie die Praxis funktioniert

In der Ukraine sind Barzahlungen von Privatpersonen seit Januar 2017 auf 50'000 Hrywnja begrenzt. Für höhere Beträge müssen Kundinnen und Kunden ein Bankkonto nutzen, Geld einzahlen und unbar bezahlen. 50'000 Hrywnja entsprechen derzeit rund 1'100 Franken.

In Banken gilt es seit längerem als verbreitete Praxis, dass vermögende Kundinnen und Kunden grössere Zahlungen über mehrere Institute verteilen. Das beruhte auch darauf, dass eine einzelne Bank keinen vollständigen Einblick in die Geschäfte einer Person bei anderen Finanzinstituten hatte.

Neu erhalten die Behörden laut dem Bericht mehr Hinweise, weil viele Banken ihre internen Regeln für das Finanzmonitoring verschärft haben. Dadurch werden nicht nur Transaktionen ab 400'000 Hrywnja gemeldet, sondern vermehrt auch Vorgänge, die als verdächtig eingestuft werden. 400'000 Hrywnja entsprechen rund 8'600 Franken.

Früher betraf ein grosser Teil der Meldungen der Banken an das Staatliche Finanzmonitoring die Schwelle von 400'000 Hrywnja. Menschen, die nicht auffallen wollten und über Bescheinigungen verfügten, zahlten deshalb einfach 200'000 bis 300'000 Hrywnja und blieben unbemerkt. Inzwischen ist das Finanzmonitoring in den Banken strenger geworden, und mehr Transaktionen werden wegen Verdachtsmomenten geprüft, nicht nur wegen der Summe.

Vizechef einer grossen Bank

Wenn mehrere Banken zu derselben Person Verdachtsmeldungen abgeben, kann die Finanzaufsicht die Angaben leichter zusammenführen. So lässt sich auch erkennen, ob für wiederholte Zahlungen über verschiedene Banken hinweg immer wieder derselbe Nachweis verwendet wird.

Was das für grosse Anschaffungen bedeutet

In den Banken wird damit gerechnet, dass die Behörden solche Daten zunächst besonders für den Kauf von Luxusautos oder Immobilien auswerten. Dabei geht es auch um Fälle, in denen hohe Ausgaben nicht vollständig mit offiziellen Einkommensnachweisen belegt werden können.

Als Ausweichmöglichkeit gilt laut dem Bericht der Kauf über einen Bankkredit. In diesem Fall stammt die offizielle Finanzierungsquelle formal von der Bank. Die Kundin oder der Kunde muss dann vor allem die Herkunft des Geldes für die Anzahlung belegen.

Eine schnelle Rückzahlung eines solchen Kredits dürfte jedoch ebenfalls schwieriger werden, wenn für die dafür eingesetzten Mittel kein ausreichender Herkunftsnachweis vorliegt. Auch Leasingmodelle für teure Autos könnten an Bedeutung gewinnen, weil das Fahrzeug dabei offiziell einer Firma gehört und nicht direkt einer Privatperson.

Das Staatliche Finanzmonitoring ist die ukrainische Behörde für Finanzaufsicht im Bereich Geldwäscherei und verdächtige Transaktionen. Sie sammelt und analysiert Meldungen von Banken und anderen verpflichteten Stellen.