Kiew besonders stark betroffen
Die Ukraine ist in der Nacht auf den 14. Mai mit einer der grössten kombinierten Luftangriffe seit Kriegsbeginn angegriffen worden. Nach Angaben der Luftwaffe wurden seit dem Vorabend 56 Raketen und 675 Drohnen eingesetzt. Hauptziel der Attacke war demnach Kiew.
In der Hauptstadt stieg die Zahl der Todesopfer im Verlauf des Vormittags auf mindestens vier. Die Polizei meldete zudem, dass die Rettungskräfte die Trümmer eines beschädigten Hochhauses weiter durchsuchen. Zuvor hatten die Behörden von zunächst einem, dann zwei und später drei Todesopfern berichtet.
Nach Angaben des Innenministeriums galten zeitweise mehr als zehn Menschen als vermisst. Aus dem zerstörten Gebäude seien 28 Menschen gerettet worden.
Treffer in Wohngebieten und Schäden an Versorgungseinrichtungen
Besonders schwer betroffen war ein mehrstöckiges Wohnhaus im Charkiwer Massiv in Kiew. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, in dem Gebäude seien 18 Wohnungen zerstört worden. Bereits am frühen Morgen war von einem Teileinsturz die Rede gewesen.
Die Militärverwaltung meldete weitere Schäden in mehreren Stadtteilen. Im Rajon Obolon wurden ein dreistöckiges Parkhaus und ein Geschäftszentrum beschädigt, ausserdem eine Wohnung im 12. Stock eines Wohnhauses. Auch ein 25-stöckiger Rohbau wurde getroffen. Im Rajon Dnipro brannte das Dach eines fünfstöckigen Hauses, dazu wurden brennende Garagen gemeldet. In den Rajons Solomjanka, Holossijiw und Swjatoschyn fielen Trümmer auf Strassen und offene Flächen.
Nach Angaben des Energieunternehmens DTEK gab es in Kiew in der Nacht zudem einen Einschlag an einer Transformator-Unterstation und an einer Hochspannungsleitung. Auf dem linken Ufer der Stadt kam es laut Klitschko zu Problemen mit der Wasserversorgung.
Auch ein Möbelhersteller im Stadtteil Obolon meldete einen nächtlichen Angriff auf seinen Betrieb. Zudem wurden Schäden auf dem Gelände einer Tankstelle bekannt; grössere Brände blieben dort nach ersten Angaben aus.
Angriffe auch auf andere Regionen
Neben Kiew wurden laut Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko auch Krementschuk, Bila Zerkwa, Charkiw, Sumy und Odessa angegriffen. In der Region Kiew wurden nach Angaben des Zivilschutzes sieben Menschen verletzt. Besonders schwer betroffen war der Rajon Boryspil, wo fünf Menschen, darunter ein Kind, verletzt wurden. Aus einem Mehrfamilienhaus mussten 30 Bewohner evakuiert werden.
In der Region Odessa wurde nach Angaben der Gebietsverwaltung Hafeninfrastruktur getroffen. Zwei Menschen wurden verletzt, beschädigt wurden demnach Ausrüstung, Eigentum und Lastwagen. Brände seien gelöscht worden.
In Krementschuk wurde nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Energieobjekt getroffen. In Schowkwa in der Region Lwiw konnte ein Brand an einer Energieanlage erst in der Nacht gelöscht werden. Im Rajon Lwiw blieben nach Behördenangaben 19 Ortschaften mit 21'970 Anschlüssen nach einem Drohnentreffer auf eine Umspannstation ohne Strom.
Auch in der Region Tschernihiw traf ein Angriff laut regionalem Energieversorger ein Energieobjekt. Mehr als 31'000 Anschlüsse waren dort vorübergehend ohne Strom.
Luftwaffe meldet Hunderte abgewehrte Ziele
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, von den 56 eingesetzten Raketen seien 41 abgeschossen worden. Genannt wurden dabei drei Raketen des Typs Kinschal, 18 ballistische Raketen des Typs Iskander, von denen 12 abgefangen worden seien, sowie 35 Marschflugkörper des Typs Ch-101, von denen 29 abgeschossen worden seien.
Bei den Drohnen meldete die Luftwaffe 652 abgewehrte oder elektronisch unterdrückte Ziele. Gleichzeitig seien Einschläge von 15 Raketen und 23 Angriffsdrohnen an 24 Orten registriert worden. Zudem seien an 18 Orten Trümmer abgeschossener Drohnen niedergegangen.
Der Sprecher der Luftwaffe, Jurij Ihnat, sprach von einer der grössten nächtlichen Attacken der gesamten Kriegsjahre.
Folgen für das Stromnetz
Ukrenerho meldete nach den Angriffen auf Energieanlagen Stromabschaltungen in Kiew sowie in den Regionen Kiew, Lwiw, Wolyn, Chmelnyzkyj, Poltawa, Charkiw, Sumy, Donezk, Saporischschja, Dnipropetrowsk und Tschernihiw.
Die Angriffe zeigen erneut, dass Russland neben Wohngebieten auch die Energieversorgung und logistische Infrastruktur in mehreren Teilen des Landes unter Druck setzt.



