Angriffe in vielen Regionen des Landes
Russland hat die Ukraine am 13. Mai mit einer aussergewöhnlich grossen Welle von Drohnen angegriffen. Bereits am Morgen wurden Treffer und Schäden aus mehreren Regionen gemeldet, darunter Charkiw, das Gebiet Poltawa und das Gebiet Odessa. In Charkiw wurde nach Behördenangaben ein Infrastrukturobjekt im Stadtbezirk Cholodnohirskyj getroffen; vor Ort brach ein Feuer aus. In Poltawa kam es nach einem Einschlag an einem Umspannwerk zu Unterbrüchen bei Strom- und Wasserversorgung, mehr als 7'000 Anschlüsse waren ohne Strom.
Im Gebiet Dnipropetrowsk meldeten die Regionalbehörden innerhalb eines Tages acht Todesopfer infolge der Angriffe: sechs im Rajon Synelnykowe und zwei in Krywyj Rih. Auch aus Kiew, Cherson, Luzk, Riwne, Iwano-Frankiwsk, dem Gebiet Lwiw, Transkarpatien sowie weiteren Regionen wurden im Tagesverlauf Explosionen, Brände, Stromausfälle und Schäden an Wohnhäusern oder Infrastruktur gemeldet.
Luftabwehr unter Druck
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Vormittag, über der Ukraine befänden sich gleichzeitig mehr als hundert russische Drohnen, und im Tagesverlauf könnten weitere Angriffswellen folgen. Später sprach er von mindestens 800 Drohnen seit Beginn des Tages. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR zielte die länger andauernde Luftoffensive auf kritische Objekte, insbesondere aus den Bereichen Energie, Rüstungsindustrie und staatliche Verwaltung. Demnach könnte auf die Drohnenangriffe zudem ein grösserer Einsatz von Marschflugkörpern und ballistischen Raketen folgen.
Die HUR ist der militärische Nachrichtendienst der Ukraine. Sie ist dem Verteidigungsministerium unterstellt.
Der Berater des Verteidigungsministers Serhij Beskrestnow sagte, Russland habe tagsüber eine neue Taktik eingesetzt: Drohnen seien in grösserer Zahl entlang der belarussischen Grenze in kurzen Abständen hintereinander geflogen. Das Ziel sei offenbar, die ukrainische Luftabwehr zu überlasten und möglichst viele Flugkörper tief ins Landesinnere, auch in den Westen der Ukraine, durchzubringen.
Tote, Verletzte und Schäden an Energie- und Verkehrsobjekten
Besonders schwer betroffen war nach Behördenangaben Riwne. Dort stieg die Zahl der Todesopfer nach den Angriffen im Verlauf des Tages auf drei, dazu kamen mehrere Verletzte. In Luzk wurde ein Wohnhaus getroffen, nach dem Einschlag brach ein Feuer aus. In Iwano-Frankiwsk wurde ein Treffer an einem Mehrfamilienhaus gemeldet. In Schowkwa im Gebiet Lwiw fiel nach einem Angriff auf ein Objekt kritischer Infrastruktur der Strom aus.
Auch im äussersten Westen des Landes wurden Einschläge gemeldet. Die Gebietsverwaltung von Transkarpatien teilte mit, elf Drohnen vom Typ Schahed oder Geran hätten die Region angegriffen. Ein Teil davon sei nicht abgeschossen worden und habe Ziele erreicht, kritische Schäden an der Infrastruktur gebe es aber nicht. In Uschhorod wurde nach regionalen Berichten ein Objekt kritischer Infrastruktur getroffen.
Nach Angaben des Beraters des Präsidenten Dmytro Lytwyn wurden innerhalb eines Tages 23 Angriffe auf Eisenbahnobjekte registriert. In Sdolschbuniw kamen demnach zwei Eisenbahner ums Leben, eine weitere Person wurde verletzt.
Luftwaffe meldet mehr als 750 Drohnen innert gut zehn Stunden
Die ukrainischen Luftstreitkräfte erklärten am Abend, zwischen 08.00 Uhr und 18.30 Uhr seien 753 unbemannte Fluggeräte gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt worden. Davon seien 710 entweder abgeschossen oder durch elektronische Kampfführung unterdrückt worden. Zudem seien 36 Einschläge von Angriffsdrohnen registriert worden, an 26 Orten sei es zum Niedergehen von Trümmern gekommen.
Mit elektronischer Kampfführung sind Störmassnahmen gemeint, die Drohnen von ihrem Kurs abbringen oder ihre Steuerung beeinträchtigen sollen. Solche Systeme ergänzen die klassische Luftabwehr.
Während der Angriffswelle geriet auch das Nachbarland Moldau in den Luftraumvorfall. Das moldauische Verteidigungsministerium teilte mit, eine Drohne sei aus Richtung Mohyliw-Podilskyj in Richtung des Dorfes Sauca auf moldauisches Gebiet geflogen.
Man kann es kaum als Zufall bezeichnen, dass eine der längsten massierten russischen Angriffe gegen die Ukraine genau in die Zeit fällt, in der der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eingetroffen ist. In diesem schwierigen geopolitischen Moment versucht Russland offenkundig, den politischen Hintergrund zu verderben und die Aufmerksamkeit auf sein Böses zu lenken – auf Kosten ukrainischer Leben und ukrainischer Infrastruktur.
Wolodymyr Selenskyj · Präsident der Ukraine



