Drohnen der russischen Einheit «Rubikon» schlagen immer weiter im Hinterland ein, sind rund um die Uhr im Einsatz und können ukrainische Drohnen abschiessen – auch Langstreckensysteme. Das könnte die Wirksamkeit ukrainischer Angriffe auf weit entfernte Ziele in Russlands Hinterland perspektivisch verringern.
Darüber schreibt der ukrainische Soldat Roman Pachulytsch nach der Analyse von mehr als hundert Videos über den Einsatz von «Rubikon».
Seinen Angaben nach werden immer mehr russische Drohnen gleichzeitig mit zwei Kameras ausgerüstet – einer Tageslicht- und einer Wärmebildkamera. Sie operieren tagsüber wie nachts. Deshalb sei es keine gute Idee, sich einfach nicht zu bewegen und zu erstarren, weil ein Mensch durch seine Wärmespur verraten werden könne.
Neue Taktiken im Einsatz
Pachulytsch schreibt, dass bei entdeckten Stellungen oft das Schema «Schlag plus wartende Drohne» eingesetzt werde. Nach dem ersten Treffer könne ein zweiter FPV lange in der Nähe bleiben und darauf warten, dass jemand zu Verwundeten oder beschädigter Technik läuft.
Der Soldat weist auch darauf hin, dass «Rubikon» begonnen habe, Videos von Schlägen mit funkverbundenen FPV-Drohnen tief im Hinterland der ukrainischen Streitkräfte zu veröffentlichen.
Ausserdem würden russische FPV inzwischen auch zur Korrektur von Luftangriffen genutzt. Pachulytsch merkt an, dass früher das Auftauchen einer Aufklärungsdrohne in einem Gebiet oft als Zeichen für einen möglichen Angriff mit Gleitbomben gegolten habe. Nun könnten dieselben FPV-Drohnen die Zielkorrektur übernehmen.
FPV steht für «First Person View». Gemeint sind Drohnen, die in Echtzeit aus der Perspektive der Bordkamera gesteuert werden und im Krieg oft als Angriffswaffe eingesetzt werden.
Angriffe auf Fahrzeuge und Abfänge
Separat beschreibt Pachulytsch die Taktik bei Angriffen auf Transportmittel. Seinen Worten nach haben russische FPV «gelernt», auf verwundbare Stellen zu zielen – auf den Motor oder die Frontscheibe. Bei gepanzerten Fahrzeugen treffen die Angriffe oft gezielt den Bereich des Fahrers.
Pachulytsch schreibt auch, dass russische FPV aufgegebene Technik rasch zerstören, indem sie durch offene Türen oder eine Rampe angreifen und Fahrzeuge von innen in Brand setzen. So könne die Panzertechnik nicht ins Hinterland zurückgebracht und wiederhergestellt oder als Ersatzteillager genutzt werden.
Der Soldat weist zudem auf die wachsende Zahl abgefangener ukrainischer Aufklärungs- und Angriffsdrohnen hin, darunter Hornet, FP und «Ljutyj». Seiner Einschätzung nach könnte das die Wirksamkeit von Fernangriffen auf das russische Hinterland in den kommenden Monaten spürbar beeinflussen.
Darüber hinaus erklärte er, es gebe eine «unglaubliche Zahl» abgeschossener ukrainischer Nachtbomber – «Vampir», «Perun» und andere. Seiner Meinung nach verfügt «Rubikon» entweder bereits über genügend nächtliche FPV für ständige Patrouillen, oder einzelne Frontabschnitte werden durch taktische Radare gedeckt.
Ausbau der russischen Drohnentruppen
Der Soldat erinnert daran, dass Russland seine Truppen derzeit aktiv mit Drohnenspezialisten auffüllt.
Jetzt stellen die Russen ihre Truppenteile der unbemannten Systeme zusammen. Die bislang öffentlich sichtbaren Resultate ihrer Einsätze erinnern noch an Drohnenzüge und Drohnenkompanien. Aber in vier bis sechs Monaten wird die Grauzone mit dem ständigen Summen von unklar wessen Drohnen über dem Kopf sowohl an Dichte als auch an Tiefe zunehmen.
Roman Pachulytsch · ukrainischer Soldat




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